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Knut aus Hamburg schrieb am 20. Dezember 2023 um 17:15
Lieber Wolfgang,

vielen Dank für das Licht, das Du in so viele Bereiche der Aquaristik bringst. Besonders bei der Darlegung wie hilfreich (und notwendig) eine Keimreduktion mittels UV-Klärer ist, um naturnahe Keimzahlen zu bekommen, ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen.
Genau genommen muss das, was Du für Dein tolles, großes Aquarium schreibst, noch viel mehr für kleine Aquarien (<300 Liter) mit ihren z.T. hohen Besätzen gelten. Ich habe mich zumindest bei einem solchen eher kleinem Aquarium (nach Lektüre Deiner Seite) direkt für einen UV-Klärer entschieden.
Aktuell beschäftigt mich der Punkt Wasserwechsel sehr. Kennst Du die folgende Seite?
http://www.deters-ing.de/Gastbeitraege/Altwasser_.htm
So wie ich es verstehe, ist nur in der erweiterten Einfahrphase (die sich gerne auch ein halbes Jahr hinziehen kann) ein Wasserwechsel für den Austrag von Abbauprodukten der Fütterung notwendig. Hiernach sollte sich ein Gleichgewicht zwischen Zufuhr von Eiweißverbindungen (Futter) und Ablagerung von Abbauprodukten im Mulm des Filters einstellen und das Wasser (als austauschbarer Träger für Abbauprodukte) eine immer geringere Rolle spielen.
Sind solche Altwasserbecken mit guter Technik (Filter, UV-Klärer) vielleicht möglich? Auch dies ist ja unter Aquarianern ein ganz heißes Eisen, das leider sehr dogmatisch und weniger mit Daten ausgekämpft wird.
Hast Du hierzu Gedanken oder Erfahrungen / Messungen, die nahelegen, wieviel Wassertausch im Minimum notwendig sind?
Viele Grüße,
Knut
Administrator-Antwort von: Wolfgang Engel
Hallo Knut,

der genannte Text von Dr. Gerd Kassebeer ist mir gut bekannt. Er wird gerne als Argument für Altwasseraquarien benannt. Bei diesem Thema wird oftmals sehr emotional diskutiert, wie Du selbst auch schon geschrieben hast. Leider ist der Autor bereits vor zehn Jahren verstorben. Er hätte bestimmt noch einige Informationen dazu beitragen können.

Bei Altwasseraquarien ist es ähnlich wie bei vielen anderen Dingen: Wenn man es richtig macht, funktioniert es. Während meines Studiums hatte ich ein "Low-Tech-Aquarium" laufen, das nach diesem Prinzip lief. 200 Liter, am Fenster, keine Heizung, kein Filter, keine Lampe, Sandboden mit Posthornschnecken, sehr viel Ceratophyllum, eine kleine, selbsterhaltende Population aus Tanichthys albonubes. Es wurde nur verdunstetes Wasser nachgefüllt, die Fütterung erfolgte unregelmäßig und sparsam. Das Aquarium lief mehrere Jahre völlig problemlos, war ziemlich zugewuchert, die Fische putzmunter und kräftig gefärbt.

In der nachträglichen Betrachtung kann ich den Ausführungen von Gerd Kassebeer zustimmen. Ich würde in meinem speziellen Fall das Gelingen auf das Vorhandensein von sehr viel Pflanzenmasse relativ zu sehr wenig Fischmasse zurückführen. Mulm war nur rudimentär vorhanden, Filterschlamm gab es in Ermangelung eines Filters überhaupt nicht. Ab und an habe ich das Ceratophyllum eingekürzt. Das hat gereicht, um die Wasserwerte erstaunlich konstant zu halten.

Aquarien können also durchaus auch ohne aufwendige Technik funktionieren. Und das gar nicht mal schlecht! Die Technik wird immer dann erforderlich, wenn sich mindestens ein Parameter zu sehr in einen ungünstigen Bereich verschiebt. Bei den meisten unserer Fische betrifft das zuerst die Temperatur. Es bedarf einer Heizung. Für gutes Pflanzenwachstum braucht es gutes Licht, also eine Beleuchtung. Das wäre schon alles. Wenn, ja wenn da nicht unser unstillbares Bedürfnis wäre, noch einen Fisch einzusetzen. Und noch einen weiteren. Und vielleicht noch ein paar? Spätestens dann funktioniert die Aquaristik nur noch mit Filter. Das Problem hat einen Namen: Besatzdichte.

Als Befürworter eines regelmäßigen Wasserwechsels habe ich die in unseren Aquarien eigentlich immer zu hohe Besatzdichte im Hinterkopf. Mit all den daraus resultierenden zu hohen Konzentrationen an Stoffwechselprodukten, Hormonen, Botenstoffen, aber auch Keimen und Parasiten. Trotz allem ist das kein Grund zur Panik. Ich habe für meine Fische entschieden, dass ich der Sache mit umfassenden Wasserwechseln und UV-C entgegentrete. Andere Aquarianer treffen andere Entscheidungen. Auch gut. Ich habe aufgehört, mich in diesen Diskussionen aufzureiben. 😊

Zum Glück gibt es eine Ansicht, der bisher jeder Aquarianer (egal ob Altwasser- oder Wasserwechselfraktion) zugestimmt hat: Je geringer der Besatz, desto weniger Probleme.

Das dürfte auch die Antwort auf Deine Frage zum technischen Aufwand sein.

Viele Grüße und Frohe Weihnachten 🎅

Wolfgang
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